Kunst Forum Weil der Stadt

 

  Margot Spuhler, "Ungleiches Paar"   -   Katharina Schwarz, "Ich liebe meine Langeweile"

Die Wahl des Kunstforums für die 1. Ausstellung 2026 während der Frauenwochen in Weil der Stadt fiel auf zwei äußerst gegensätzliche Künstlerinnen. Mit dem poetischen Titel der Schau „Spuren von Zeit und Seele“ verweisen Margot Spuhler und Katharina Schwarz allerdings auf Gemeinsamkeiten in Ihrer Arbeit:

Die figürlichen Tonplastiken und Objekte der in Dettenhausen lebenden Margot Spuhler weisen Spuren auf und wirken, als ob die Zeit ihre schrundigen Oberflächen korrodiert hätte. Die erfahrene Keramikerin schlägt und bricht den Ton, setzt Oxide, Sulfate und Salze ein.Sie legt Fährten zur Entschlüsselung ihrer Werke, die wegen ihrer archaischen Materialität und Wirkung und der aus Mythologie und Religion entliehenen Titel vermeintlich in die tiefe Vergangenheit führen, aber so aktuell sind wie eh und je. Geboren in Brüx, studierte sie an der freien Kunstschule Nürtingen und leitet heute eine eigene Werkstatt.

Die Objekte und Wandarbeiten aus zeitgenössischen Materialien und Techniken von Katharina Schwarz entstehen mehr durch Weglassen, als durch Hinzufügen. Eine feine Spur, nicht mehr als ein poetischer Hauch, verweist dennoch mit einigen Titeln auf unsere alltägliche und häufig überfordernde Lebenswelt. So zum Beispiel „ohne Titel (wet black forest - 310g/m2)“, „Ohne Titel (ich liebe meine Langeweile)“, „Ich wollte einfach glücklich sein“. Feiner Humor spricht auch aus „Buddhabrot“ und „Feigenbaum-Diagramm“, den suggestiven Darstellungen von mathematischen Formeln. Schwarz studierte Kunst, Bühnenbild und Mathematik in Stuttgart und assistierte der bekannten Konzeptkünstlerin Karin Sander bei ihrer Arbeit.

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Obwohl die Konzeptkunst mittlerweile über hundert Jahre alt ist, brach beim Betreten der Wendelinskapelle am Eröffnungssonntag bei manchem Kunstfreund eine Welt zusammen. Alles Wissen über die Kunst im klassischen Sinne, drohte sich angesichts der minimalistischen Werke der Stuttgarter Künstlerin Katharina Schwarz in Luft aufzulösen. Hier ein industriell hergestelltes Ready-made, dort gedruckte Plakate und Fotos, ein professionell gewebter Wandteppich: Schwarz lässt herstellen, von ihr stammen aber die Ideen.

Eine ihrer Maximen ist, ein Kunstwerk so weit von Ballast zu befreien, dass die Essenz der Aussage besonders deutlich wird. Großen Wert legt sie auf ausgewählte und hochwertige Materialien, auf die Darstellung der Schrift, auf die Qualität des Druckes. So wählt sie für „o.T. (nacht vor der küste blau)“ ein Velourpapier, welches die dargestellte Nacht über den logarithmisch gerasterten Meereswogen besonders samtig erscheinen lässt und verstärkt den Buchstaben „c“ des aufgedruckten Titels dergestalt, dass man sich an eine Mondsichel erinnert fühlt. Vielschichtig sind ihre Werke also, voller feinsinnigem Humor und sehr poetisch.

 

Die Plastiken von Margot Spuhler gegenüber auf der anderen Seite des Raumes zeigen: auch Arbeiten aus dem wohl ältesten aller künstlerischen Materialien gibt es im Jahr 2026 noch. Mit Ton stellt sie Figuren her, die urmenschliche und nach wie vor aktuelle Themen ausdrücken. Zusammengehörigkeit trotz Verschiedenheit in „Ich und du“ und „Ungleiches Paar“, Trauer und Demut in „Verlust“. Auch das Altern, die Vergänglichkeit oder der Neuanfang. 

Mit den Händen drückt und schiebt sie die Tonmassen im „meditativen Dialog mit einem Wesen, das noch nicht fertig ist“, wie sie selbst beschreibt. 

Besonderen Wert legt sie auf die handwerklich raffinierte Bearbeitung mit Oxiden, Sulfaten und Salzen. Verschiedenfarbige, meist aufgelöste, vom „Zahn der Zeit“ wie angefressen wirkende Oberflächen entstehen. Hin und wieder verwendet sie Fundstücke, auch sie muten wie ausgegrabene Schätze vergangener Kulturen an.

 

Gegensätzlicher waren die ausgestellten Positionen in der Wendelinskapelle wahrscheinlich noch nie, wie sowohl die 1.Vorsitzende des Kunstforums Silvia Tanczos-Lückge als auch der stellvertretende Bürgermeister Georg Riehle in ihren Begrüßungsreden amüsiert feststellten. Angelika Brombacher ging auf den Zusammenhang mit den Frauenwochen ein.

 

Der Kulturwissenschaftler Florian Stegmaier schaffte in seiner Einführung, die Gegensätzlichkeit  der beiden Künstlerinnen zusammen zu führen, indem er auf die Entstehungsbedingungen der Kunst einging. 

Aufhänger war eine kleine Arbeit von Katharina Schwarz mit dem Titel „Plastische Stunde“, worauf man ein Häuflein Asche erkennen kann, zusammengezogen wie ein schwarzes Loch. Eingeäscherte Arbeiten der Künstlerin nach einer Atelierauflösung, der Moment der Auflösung und zugleich eines Neubeginns. „Der Moment“, so Stegmaier, „in dem Dinge oder Zustände wandelbar werden“, „ein Zeitfenster, in dem formende Kräfte wirken, ohne dass ein Endzustand bereits absehbar wäre“. 

Hier äußerte der Redner sinngemäß die Hoffnung, dass die Gäste eben hier zwischen den Kunstwerken so eine „plastische Stunde“ zwischen Verunsicherung und Erkenntnis erleben, die sie öffnet für neue Erfahrungen, neue Ideen und Berührung im Inneren.

  Grußwort der Stadt: Georg Riehle          -  Angelika Brombacher, FrauenwochenEinführungsrede (bitte anklicken) - Florian Stegmaier  vor "Wo ist der Wind ..."    Schwarz: AusDerReihe + Spuler: Du und Ich, Erda (von li) - Influencer/in (rechts)   Spuler, "Alter Speicher" (vorn re)            - Katharina Schwarz (links) im Gespräch Objekt darf nur von Schüttelbeauftragten/Aufsicht bewegt werden! 

  

Öffnungszeiten: Fr 16-19 Uhr, Sa und So 11-17 Uhr. 

Zur Finissage am 15. März um 16 Uhr wie gewohnt ein „Kunstgespräch“ mit Corinna Steimel, der Leiterin der Städtischen Galerie Böblingen, mit den Künstlerinnen.

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Eine Anmeldung zu unserer diesjährige Kunstfahrt am 18. April ist möglich, das Datum der Anmeldung entscheidet über die Teilnahme!

Wir fahren diesmal mit dem Bus zum „KAGE-Mikroversum“ auf  Schloss Weißenstein (Ostalb) und Kunstmuseum Heidenheim. Einzelheiten dazu sehen Sie auf der „Vorschau“ dieser Website oder Sie klicken hier auf Kunstfahrt-Info!